Urlaubsanspruch bei Kündigung

Urlaubsanspruch bei Kündigung

Der Urlaubsanspruch, den ein Arbeitnehmer gegenüber seinem Arbeitgeber hat, ist nach dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) geregelt. Danach besteht für jeden Arbeitnehmer ein Anspruch auf einen Erholungsurlaub, der jedes Jahr gewährt werden muss.
Der Urlaubsanspruch bei Kündigung oder ohne eine solche ist zwingend, er kann durch keinerlei Festlegungen im Arbeitsvertrag ausgeschlossen werden. Sollte ein Arbeitgeber versuchen wollen, Urlaub nicht zu gewähren, hat jeder Arbeitnehmer das Recht, seine Urlaubsansprüche durchzusetzen.

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Es stellt sich die Frage, wie es sich mit Urlaubsanspruch bei Kündigung im Besonderen verhält. Dabei wird nach den Folgen gefragt, ob der Arbeitgeber gekündigt hat oder aber der Arbeitnehmer von sich aus. Weiterhin ist zu untersuchen, wie es sich mit dem Urlaubsanspruch bei Kündigung während der Probezeit verhält.

Grundsätzliches zum Urlaubsanspruch

Aufgrund der Regelungen im BUrlG verfällt der Urlaubsanspruch bei Kündigung nicht. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kündigung vom Arbeitgeber oder vom Arbeitnehmer ausgesprochen wird. Allerdings sind wegen der möglichen Zeitspannen zwischen einer Arbeitsaufnahme bis zu einer Kündigung grundsätzliche Regelungen zu beachten.

Das BUrlG regelt unter anderem auch die Länge des Urlaubsanspruches allgemein, so auch die, wenn Urlaubsanspruch bei Kündigung besteht. Danach ist die Länge des Erholungsurlaubs auf mindestens 24 Werktage bei einer Sechstagewoche festgelegt. Dabei werden die sechs Tage einer Woche von Montag bis Samstag als Werktage gerechnet, Feiertage zählen nicht dazu.

Der Begriff der Werktage wird allerdings nur bei einer Sechstagewoche benutzt. Werden weniger als sechs Tage in der Woche gearbeitet, dann wird statt derer die Bezeichnung Arbeitstage verwendet. Dann werden aus den 20 Arbeitstagen Urlaub, bei einer Fünftagewoche vier Wochen Urlaub. Wenn weniger gearbeitet wird, dann verringert sich auch der Anspruch auf Urlaubstage. Allerdings sind es immer vier ganze Wochen. Wenn also ein Arbeitnehmer nur einen Tag pro Woche arbeitet, also jede Woche nur einen Arbeitstag hat, dann reichen die ihm zustehenden vier Urlaubstage ebenfalls für vier Wochen Urlaub aus.

Ein Anrecht auf den vollen Jahresurlaub erwirbt ein Arbeitnehmer erst dann, wenn das Arbeitsverhältnis für einen Zeitraum von vollen sechs Monaten bestanden hat. Beginnt das Arbeitsverhältnis also zum ersten Januar, dann hat der Arbeitnehmer erst vom ersten Juli an den Anspruch, seinen vollen Jahresurlaub zu nehmen. Auch für diese Regelung gibt es keine Besonderheit für einen Urlaubsanspruch bei Kündigung.

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Der erworbene Urlaubsanspruch

Den Anspruch auf Erholungsurlaub vor Ablauf der vollen sechs Monate und somit auch den Urlaubsanspruch bei Kündigung in diesem Zeitraum legt § 1, Absatz 1 des BUrlG fest. Danach kann ein Arbeitnehmer einen Teilurlaub nehmen, dessen Länge ein Zwölftel des Urlaubs für ein ganzes Jahr ist, und zwar für jeden Monat, in dem das Arbeitsverhältnis bestand. Das bedeutet, dass ein Arbeitnehmer, der einen Anspruch von 20 Urlaubstagen hat, nach jedem gearbeiteten Monat 20 geteilt durch zwölf, das sind 1,67 Urlaubstage beanspruchen kann. Nach drei Monaten sind das fünf Arbeitstage, nach sechs Monaten zehn Arbeitstage und so weiter. Probleme treten höchstens dann auf, wenn beispielsweise nach sieben Monaten ein Urlaubsanspruch bei Kündigung von 6,67 Tagen besteht. Hier werden in den meisten Fällen wohl sieben Tage gewährt werden.

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Urlaubsanspruch bei Kündigung in der Probezeit

Die ersten Monate in einem Unternehmen sind eine Probezeit, über deren Länge es keine gesetzlichen Regelungen gibt. Während der Probezeit gilt für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer eine gesetzlich vorgeschriebene verkürzte Kündigungsfrist. Diese beträgt lediglich zwei Wochen zum Ende eines Monats oder zum jeweiligen fünfzehnten. Ein Urlaubsanspruch bei einer Kündigung während der Probezeit bleibt wegen der im BUrlG festgeschriebenen Regelungen bestehen, allerdings nur im Rahmen des erworbenen Urlaubsanspruches.

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Urlaubsanspruch bei Kündigung durch den Arbeitgeber

Der Urlaubsanspruch bleibt erhalten, wenn der Arbeitgeber kündigt. Er wird möglicherweise die Meinung vertreten, der gekündigte Arbeitnehmer habe durch die seiner Meinung nach schlechten Leistungen seinen Urlaubsanspruch verwirkt. Er wird damit vor keinem Gericht recht bekommen. Der erfahrene Arbeitgeber weiß das und wird, möglicherweise zähneknirschend, den Urlaubswünschen des gekündigten Arbeitnehmers stattgeben.

Sollte der Arbeitgeber eine fristlose Kündigung aussprechen, dann bleibt ihm möglicherweise keine Zeit mehr, um den gesetzlich geregelten Urlaubsanspruch zu gewähren. In diesem Fall kann es zu einer Urlaubsabgeltung in Form von bezahlten Tagen kommen. Dies ist zwar nach dem Willen des Gesetzgebers ausdrücklich verboten, wird jedoch bei Zustimmung des Arbeitnehmers geduldet. Jedenfalls findet durch die Urlaubsabgeltung keine Verlängerung des Arbeitsverhältnisses statt. Wenn also ein Arbeitnehmer sofort nach der fristlosen Kündigung ein neues Arbeitsverhältnis beginnt, dann kann die Urlaubsabgeltung durchaus sinnvoll sein.

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Urlaubsanspruch bei Kündigung durch den Arbeitnehmer

Auch wenn der Arbeitnehmer von sich aus das Arbeitsverhältnis kündigt, bleibt der Urlaubsanspruch bei Kündigung vollständig erhalten. Die Erhaltung der Gesundheit stellt ein hohes Gut dar und wird daher vom Gesetzgeber mit allen Mitteln unterstützt.

Wenn ein Arbeitnehmer für den Arbeitgeber unerwartet plötzlich kündigt, dann wird der Arbeitgeber möglicherweise versuchen, einen bereits genehmigten Urlaub zu verweigern. Auch hier bleibt der Urlaubsanspruch bei Kündigung völlig erhalten, der Arbeitgeber hat keine gesetzliche Möglichkeit, den bereits genehmigten Urlaub zu widerrufen.

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Fazit

Im BUrlG ist eindeutig festgelegt, dass Erholungsurlaub zu gewähren ist. Ob ein Urlaubsanspruch bei Kündigung oder ohne Kündigung besteht, spielt eigentlich keine Rolle, der Urlaubsanspruch bleibt von einer Kündigung unberührt.

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Bildquellen:
Business – Team in einem Büro © Kzenon – fotolia.com

3 Responses to “Urlaubsanspruch bei Kündigung”

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  1. Darie says:

    Hallo, an erster Stelle herzlichen Dank für die sehr verständlichen Erklärungen. Wenn ich das richtig verstehe, habe ich Anspruch auf den vollen Urlaubsanspruch des laufenden Jahres (z.B. 25 Tage ggf. abzüglich bereits genommener Urlaubstage) wenn die Kündigung zum 1. Juli oder später wirksam wird. Dazu eine Frage: in welchem Abschnitt des BUrlG kann man das nachschlagen? Im § 4 geht man auf das Thema Wartezeit ein, aber ich finde die Aussage dort sehr, sehr spärlich.

    Vielen Dank!

  2. Naim Miftari says:

    Bin ich bescheftigt Zeit 4,5,15 nur ein woche war ich in Urlaub
    Ab 1,8,16 kann ich wo anders beginnen
    Mein Frage ist: wan kann ich mich kündigenden und ganz Urlaub benutzen bevor neue Beginn 1,8,16 .

  3. Vasileva says:

    Ich war beschaeftigt von 1.1.-bis 30.4.2016 mit 30 Urlaubstage im Jahr.Fuer diese Zeit habe 10 Tage Urlaub,die nicht ,wegen Krankheit ,nehmen koennte.Ich habe Urlaubsabgeltung Anspruch gestellt,aber Arbeitsgeber sagt,dass nur 7 Tage auszahlen wird,denn ich krank war und habe nicht mehr 30 Tage Urlaub im Jahr,sondern 20 Tage Mindesturlaub.Ist das Recht?

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